Emilie Stampfli
Urenkelin eines Bundesrats und Olympiasieger-Bezwingerin

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Für die Solothurnerin kam der Sieg eher überraschend: «Ich habe gewusst, dass ich mit der 13-jährigen Stute Nikita du Luot ein schnelles Pferd reite. Dass wir aber gewinnen würden, hätte ich nicht gedacht.» Nicht nur für sie, auch für die übrigen Kenner der Springreitszene dürfte der Erfolg der 20-Jährigen nicht selbstverständlich gewesen sein. Immerhin forderte sie als junge Reiterin die Top 15 der anwesenden Weltelite.

Jungreiterin Emilie Stampfli freut sich über ihren ersten grossen Erfolg. Quelle: az

Realisiert hat Stampfli ihren Effort daher erst ein paar Tage später. «Ich bekam viele Glückwünsche, auch von Leuten, die ich gar nicht kenne», freut sich die ehrgeizige Sportlerin. Doch aus dem nichts kam dieser Erfolg nicht. Stampfli wurde 2011 Junioren-Schweizermeisterin, gewann im letzten Jahr an der Team-Europameisterschaft in Spanien die Goldmedaille und siegte an den letztjaehrigen Gucci-Masters in Paris.

Zweites Standbein aufbauen

Obwohl ihr eine rosige Zukunft im Reit-Zirkus prophezeit wird, möchte sie die Ausbildung nicht vernachlässigen. Fünf Jahre besuchte Stampfli die Sportklasse der Kantonsschule Solothurn und schloss die Matura im Juni 2013 ab. Seither konzentrierte sie sich vollends auf ihre Sportart: «Das Thema Studium ist noch nicht vom Tisch. Architektur würde mich reizen, allerdings ist das schwierig mit dem Sport zu vereinbaren. Mir ist aber wichtig, dass ich mir ein zweites Standbein aufbaue, man weiss schliesslich nie, was die Zukunft bringt.»

Die 20-Jährige weiss genau was sie will: Springreiten hat Priorität. Diese Eigenschaft hat sie vielleicht ein Stück weit von ihrem Urgrossvater Walther Stampfli, der gerne auch «Vater der AHV» genannt wird, geerbt. «Ich habe ihn leider nicht kennen gelernt,» fügt Stampfli an. Auf die Frage, ob sie sich auch eine Karriere in der Politik vorstellen könne, verneint diese lachend: «Es interessiert mich, aber ich kenne mich zu wenig aus. Daher überlasse ich dies den Leuten, die es können.»

Fernziel: Olympische Spiele

In welche Richtung ihre Sportkarriere gehen soll, weiss die Reiterin genau: «Ich möchte bei Olympischen Spielen mitreiten und auch bei der Elite vorne mitmischen. Ein Start in Rio 2016 kommt aber wahrscheinlich etwas zu früh. Dafür fehlt mir die Erfahrung auf höchstem Niveau.» Die kurzfristigen Ziele fallen da eher bescheiden aus. Diese Woche geht es für fünf Wochen nach Spanien, um eine Tour zu bestreiten.

Die Vorzeichen, auch da erfolgreich zu sein, stehen gut. Denn dort hat sie vor einem Jahr die EM-Gold-Medaille geholt. Die Motivation sei natürlich nach dem Sieg am CSI Zürich umso grösser, ist Stampfli überzeugt. Danach habe sie die Option wieder nach Belgien zu reisen, um dort mit Nelson Pessoa, eine bekannte Springreiterlegende, zu trainieren. So habe sie die Möglichkeit an mehreren internationalen Turnieren teilzunehmen und kann von erfahrenen Reitern profitieren und lernen.

Da Stampfli eher ältere Pferde reitet, ist sie gezwungen in Zukunft jüngere Pferde aufzubauen, damit die Basis des Erfolges für die kommenden Jahre gelegt ist. «Dies eilt im Moment allerdings noch nicht», ist Stampfli überzeugt.

(az Solothurner Zeitung)

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